- Der erfahrene Rennfahrer und heutige Sporting Director erläutert seine Rolle in einer entscheidenden Phase der Teamentwicklung von Genesis Magma Racing
- Er hebt die Stärke des Fahreraufgebots für die Debütsaison von Genesis Magma Racing in der FIA World Endurance Championship hervor
- Zudem gibt er einen Ausblick auf den nächsten Entwicklungsschritt und bestätigt die Fahrerbesetzungen für die beiden GMR-001 Hypercars
Le Castellet, Frankreich, 5. Dezember 2025: In seiner Funktion als Sporting Director war Gabriele Tarquini maßgeblich an der Zusammenstellung des Fahreraufgebots von Genesis Magma Racing für die FIA World Endurance Championship 2026 beteiligt. Nach der finalen Bestätigung der beiden Line-ups für die GMR-001 Hypercars gibt der frühere Tourenwagen-Star Einblicke in seine Rolle im Team und in die strategischen Überlegungen hinter der Fahrerauswahl.
Welche Hauptaufgaben hat ein Sporting Director während der Test- und Entwicklungsphase – und später im Rennbetrieb 2026?
„Während der Testphase organisiert der Sporting Director gemeinsam mit dem Chefingenieur und dem Teammanager sämtliche Aktivitäten auf der Strecke. Dazu gehören Einsatzpläne, Fahrerrotationen und Zeitfenster, um die verfügbare Streckenzeit so effizient wie möglich zu nutzen. Ich bestätige die individuellen Programme und Einsatzpläne der Fahrer und stelle eine klare, strukturierte Zusammenarbeit zwischen Team und Fahrern sicher. In enger Abstimmung mit dem Teammanagement und den Ingenieuren bin ich außerdem in die Weiterentwicklung von Boxenstopp-Prozessen, Fahrerwechseln und Sicherheitschecks eingebunden und fungiere als Schnittstelle zwischen Management und Fahrern.“
„Sobald Genesis Magma Racing in den Wettbewerb einsteigt, verantworte ich alle sportlichen Abläufe eines Rennwochenendes. Dazu gehört die strategische Arbeit gemeinsam mit dem Team, aber auch die Koordination der Fahrertermine vor Ort. Zudem vertrete ich das Team bei offiziellen Briefings, kläre Reglement-Fragen und übernehme bei Zwischenfällen die Kommunikation mit Rennleitung und Sportkommissaren – inklusive der Betreuung von Untersuchungen, Strafen sowie der Einreichung oder Beantwortung von Protesten.“
Welche Erfahrungen aus Ihrer Zeit als Fahrer und Teammanager im Tourenwagensport bringen Sie in Ihre Rolle als Sporting Director ein?
„Meine bisherige Laufbahn war vor allem von Sprintrennen geprägt, doch der Geist des Rennsports bleibt derselbe – er muss lediglich an längere Distanzen angepasst werden. Ein Fahrer hat unabhängig davon, ob er 30 Minuten oder sechs Stunden fährt, ähnliche Bedürfnisse. Aus eigener Erfahrung weiß ich, welche Informationen Fahrer an welchem Punkt eines Rennwochenendes benötigen und wie ein Zeitplan gestaltet sein muss, damit alle ihre Aufgaben optimal erfüllen können. Diese Erfahrung hilft mir, eine gute Balance zwischen den Anforderungen des Teams und den Bedürfnissen der Fahrer zu schaffen – mit einem klaren Ziel, wenn sie im Cockpit sitzen.“
Mathieu Jaminet und Paul-Loup Chatin wurden kürzlich als letzte Fahrer für 2026 bestätigt. Was hat sie besonders ausgezeichnet?
„Mathieu und Paul-Loup bilden das Bindeglied innerhalb unseres Teams – zwischen der großen Erfahrung von André und Pipo sowie der Jugend und Motivation von Mathys und Dani. Bei der Fahrerauswahl haben wir die WEC- und IMSA-Saisons genau verfolgt. Beide konnten dort starke Ergebnisse erzielen: Mathieu gewann den IMSA-Titel, Paul-Loup feierte seinen ersten WEC-Sieg. Besonders wichtig war zudem ihre Erfahrung mit Fahrzeugen auf ORECA-Basis – genau wie beim GMR-001 Hypercar.“
Welche Kriterien waren bei der Fahrerauswahl entscheidend?
„Die Wahl der Fahrer ist entscheidend für den Erfolg eines Teams. Natürlich müssen sie talentiert und schnell sein, aber ebenso wichtig ist, dass sie auf und neben der Strecke gut zusammenarbeiten. Jeder Fahrer bringt seine eigene Rennerfahrung mit – ob lang oder kurz, sie ist immer wertvoll. Mit unseren sieben Fahrern verfügen wir über eine ideale Balance aus Erfahrung, Jugend und Performance. Unsere Aufgabe ist es, diese unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammenzuführen und das Beste aus jedem Einzelnen herauszuholen.“
„Erfahrene Fahrer sind für die Entwicklung eines neuen Fahrzeugs wie des GMR-001 Hypercar unverzichtbar, da sie das Potenzial des Autos schnell erkennen und dem Team früh die richtige Richtung vorgeben können. Junge Fahrer wiederum bringen Enthusiasmus und Optimismus mit – Eigenschaften, die in den unvermeidlich schwierigen Phasen einer Saison entscheidend sind. Beide Gruppen beeinflussen sich gegenseitig: Die Jüngeren lernen von der Erfahrung der Etablierten, während diese durch das frische Talent zu Höchstleistungen angespornt werden.“
Wie fiel die Entscheidung über die Fahrerbesetzungen der beiden GMR-001 Hypercars für 2026?
„Nachdem alle Fahrer für 2026 bestätigt waren, wurde die Zusammensetzung der beiden Line-ups zur wichtigsten Entscheidung für Cyril, Justin und mich. Unser Ziel war es, in jedem Fahrzeug die bestmögliche Balance aus Erfahrung und Jugend zu erreichen. So fahren André und Pipo – unsere erfahrensten Piloten – gemeinsam mit Mathys, der als einziger noch keine WEC-Erfahrung hat. Im zweiten Fahrzeug vereinen wir umfassende Hypercar- und LMDh-Erfahrung mit Mathieu und Paul-Loup sowie die Langstreckenkompetenz von Dani.“
„Wir haben nicht nur die Performance in den Tests analysiert, sondern auch genau zugehört, wie die Fahrer ihr Feedback formulieren. Ebenso wichtig war, wie gut sie außerhalb des Cockpits zusammenarbeiten – das zeigt sich oft in ruhigeren Momenten während Tests oder bei Besuchen in der Werkstatt. Darüber hinaus spielten auch pragmatische Faktoren wie Körpergröße und Gewicht eine Rolle, um Fahrerwechsel zu beschleunigen und wertvolle Sekunden im Rennen zu sparen.“
Wie wichtig war das Feedback von Fahrern mit unterschiedlichen Hintergründen bei der Entwicklung des ersten Genesis-Rennwagens?
„Es war von grundlegender Bedeutung. Im Gegensatz zu anderen Herstellern konnten wir nicht auf bestehende Teams oder frühere Projekte zurückgreifen – wir haben quasi bei null begonnen. Gleichzeitig war der Zeitrahmen extrem eng, da zwischen erstem Test und erstem Rennen nur wenig Zeit liegt. Deshalb mussten wir von Beginn an die richtigen Personen in die richtigen Rollen bringen und umgehend Fortschritte erzielen.“
„Nach den ersten Runden jedes Fahrers habe ich sehr genau zugehört, um auch die kleinsten Nuancen in ihrer Beziehung zum GMR-001 Hypercar zu verstehen. Jeder setzte andere Schwerpunkte, ihre Eindrücke und Worte unterschieden sich – doch alle verfolgten dasselbe Ziel: die Performance zu verbessern und gemeinsam den nächsten Schritt zu gehen.“